Liebgewonnenes

Ein Einblick in liebgewordene Rituale

Nichts festhalten, Altes abgeben bzw. für Neues offen sein. Das mache ich/bin ich, denn selbst wenn ich mich dagegen sträube, trifft „das Neue“ dennoch ein. Ungefragt, ob`s mir nun in den Kram passt oder nicht. Liebend gerne lasse ich (mittlerweile) los, ich bin gewissermaßen „Loslassprofi“. Das soll nicht den Eindruck vermitteln, dass „mein Rucksack“ nun leicht wie ein Federball ist. Aber einiges ist gleich einem – zu eng gewordenen Krabbenhaus – bereits abgeworfen.

Loslassen hin oder her, Veränderungen willkommen heißen, alles schön und gut, aber meine ans Herz gewachsenen Rituale lasse ich mir nicht nehmen. Und diese werden im Laufe meiner: „Ich werde weiser und entspannter-Entwicklung“ sicher nicht weniger.

„Rituale geben einen bestimmten Ablauf vor, der uns Ruhe und Sicherheit gibt“, spricht die Psychologin Meike Watzlawik von der Technischen Universität Braunschweig. „Wir alle brauchen Rituale, um unsere Umwelt zu strukturieren. So haben wir das Gefühl, mehr Kontrolle zu haben.“

Es geht um mehr, als um mehr Kontrolle zu haben.

Für mich haben Rituale etwas Beruhigendes, Vertrautes, vergleichbar mit einer (im Laufe der Zeit) liebgewonnenen Eigenart eines geliebten Menschen, an der man zu Beginn immer wieder herumnörgelte und letztendlich dem „Zauber der Liebe“ erliegt.

Oder, wie Heiko Ernst, Psychologe und Journalist, sagt: „Ritual ist, wenn die Welt eine Zeit lang zur Ruhe kommt und wir in ihr“.

Das trifft es auf den Punkt.

Rituale bringen auch Ruhe.

Sicherheit.

Beständigkeit.

Die Zeit bleibt für den Flügelschlag eines Schmetterlings stehen.

Ein kleines Beispiel: Mein Liebster weiß, dass ich gerne Pfefferminztee, aber auch Espresso trinke. Wenn wir uns also einen Frühstücks-Treff ausmachen (er vor mir da ist), kann ich sicher sein, dass bereits ein Pfefferminztee und ein Espresso auf mich warten.

Ich mag das.

Eine kleine Geste, nicht mehr, nicht weniger, aber es berührt mich.

Es sind genau diese kleinen, vertrauten Momente, die mein Herz durchfluten und alles um mich herum vergessen lassen

Welche Rituale sind dir lieb geworden? Vielleicht hast du ein Morgen-Ritual?

Mein Morgen-Ritual:

Mein erster Blick geht in Richtung Wohnzimmer-Tisch (Tür ist immer offen, um Diva – unsere französische Bulldogge – zu hören), auf einen Strauß Blumen (dort steht so gut wie immer ein Strauß, derzeit Tulpen) und ich beginne erstmals nach dem Aufwachen zu lächeln.

Noch bettschwer, aber durchaus freudig motiviert, beginne ich mich zu räkeln und zu strecken, begebe mich katzenartig geschmeidig in ein paar wohltuende, meinem „morgenmüden-Body“ angepasste Yogapositionen, und bin immer wieder aufs Neue verblüfft, was Yoga für eine fabelhafte Möglichkeit bietet mit seinem Körper ins „Gespräch zu kommen, Kontakt aufzunehmen“.*

Motiviert, bereit für den Tag stehe ich auf, kleide mich an und begebe mich ins Wohnzimmer. Ich blättere den Tageskalender um (seit drei Jahren der Gleiche), entdecke aber immer wieder Neues, schalte unseren digitalen Bilderrahmen ein (ja, so etwas gibt`s immer noch!). Seit drei Jahren die gleichen Fotos in vertrauter Reihenfolge ablaufend, aber immer wieder halte ich kurz inne, erinnere mich an diesen freudvollen Tag (Hochzeit!), lächle und tagträume für ein Weilchen.

Ich erhelle bei Dunkelheit ein klein wenig den Raum (nicht zu vergessen, die kleine Lichterkette, die nicht nur zu Weihnachten leuchtet). Ich stehe dazu, ich habe einen Hang zum Kitsch, ich liebe es, wenn es glitzert und bunt leuchtet.

Ich schlurfe leise Richtung Küche und bereite ein warmes Zitronenwasser vor. Auf meinen Weg sehe ich Diva entweder im Wohnzimmer-, oder im Vorzimmerbettchen knotzen – schlafend, dösend, mit halbgeöffneten Augen blickend oder bereits wach. Sie ist definitiv keine Frühaufsteherin, vieles hängt auch vom Wetter ab. Regen mag sie gar nicht, ansonsten ist sie recht flexibel. „Gutenmorgenkrauli“, wenn bereits wach, ansonsten begebe ich mich ins Bad.

Entweder ist Diva zwischenzeitlich wach, dann machen wir uns bereit für das Erste Tages-Gassi (bei uns Luga genannt). Meistens bin ich froh, wenn ich dabei niemanden begegne, denn meine Outdoor-Kluft und mein „verdöster Anblick“ lösen – so wie exakt heute geschehen – folgende Aussage eines Nachbars aus: „Du siehst aber heute noch müde aus, aber bis 11h vormittags darf man so aussehen“. Aha. Was soll das bitte heißen? Beschämt blickte ich Richtung Boden und tue so, als würde ich mit seinem Hund spielen (Kaninchendackel).

Diva (noch) nicht wach? Dann spaziere ich ins Arbeitszimmer (= auch Yoga- und Meditationsraum) und ziehe mich – je nachdem, wieviel Zeit ich zur Verfügung habe – zurück.

Ich meditiere.

Ich atme.

Ich spüre in meinen Körper.

Wenn ich dieses Ritual auslasse, fehlt mir etwas.

Rituale sind Inseln der Zuflucht, in denen wir uns wiederfinden können. (Pierre Franckh) 

Was sind deine Inseln der Zuflucht?

Meine Yogamatte ist auch so eine meiner Inseln. Mein Zufluchtsort, wenn`s mal „stürmisch“ wird, das Leben Lust hat, mit mir Achterbahn zu fahren.

Oh ja, auch bei mir geht’s zuweilen mal drunter und drüber!

Meine Matte ist Platz der Stille, ein Ort, wo ich mich (wieder) finde, sollte ich mich mal – in einem nicht enden wollenden Gedankenstrudel – verlieren. Eine Oase des Friedens.

Ich bin nicht perfekt, auch bei mir „zwickts“ manchmal und es verlangt nach Aufmerksamkeit! Meine Matte bietet mir eine Möglichkeit, mich in geschützter Atmosphäre, mit all meinen physischen und psychischen Einschränkungen wahr- und anzunehmen bzw. liebevoll auseinanderzusetzen.

Niemals wird es mir langweilig, niemals verfluche ich meine Matte, niemals mich selbst. Denn letztendlich, gehe ich als Siegerin hervor. Anstatt meine Augen oder mein Herz zu verschließen, Altlasten unter „den Teppich zu kehren“, stelle ich mich mir selbst. Ja, das ist manchmal schmerzhaft, aber das wohltuende, befreiende Gefühl im Anschluss, ist es mir immer wieder wert.

Meine Matte und ich sind wie ein Team, eine Paar, das vielleicht nicht immer hundertprozentig „rund läuft“, aber wir wissen, was wir aneinander haben. Wir stehen jeden „Mattenkampf“ durch, da fließen schon mal Schweiß oder Tränen, aber dann werden wir wieder Eins – spätestens in Shavasana (Endentspannung). Auf meine Yogamatte ist Verlass: „I will catch you if you fall“, spricht sie zu mir und darauf kann ich vertrauen.

Wie immer deine Rituale aussehen, diese können von meinem abweichen, und das ist ok. Da gibt es kein Richtig oder Falsch, es geht darum, was dir guttut, was es dir erleichtert (zum Beispiel) frühmorgens in „die Gänge“ zukommen, oder deinen (Arbeits-) Alltag zu meistern. Vielleicht brauchst du deinen Morgenkaffee, deine kalte Dusche, deinen Mittagspowernap, um wieder erfrischt weiterzuarbeiten. Möglicherweise bist du in einen Gesangverein, der dich motiviert und dich für einige Zeit deinen stressigen Alltag vergessen lässt. Eventuell liebst du es, jede freie Minute in der Natur zu verbringen. Was immer es ist, genieße es!

Du möchtest mir über deine Rituale schreiben? Ich freue mich über deine Nachricht: willkommen@astrid-yoga.com

Alles Liebe & Namaste
Astrid

*Du hast Sehnsucht nach einer auf dich abgestimmten Yogapraxis? Kontaktiere mich Zwecks Terminvereinbarung und wir erstellen eine Yoga-Praxis, die konkret auf deine physischen Bedürfnisse abgestimmt wird.

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